DIE TRAILS BUCKET LIST (2)

Es gibt Momente, in denen wir Menschen ganz klein werden und ehrfürchtig vor den Geschöpfen der Natur in all ihrer Schönheit und Wildheit erstarren. Wir neigen gerne dazu, Tiere zu vermenschlichen, ihr Verhalten amüsant zu finden oder in ihren Handlungen einen Sinn nach menschlichem Ermessen zu entdecken. Doch ein Blick in die Augen jener Geschöpfe reicht meist aus um uns eines Besseren zu belehren.

Sie sind faszinierend. Sie sind wild. Sie sind stark. Eines dieser Geschöpfe ist der Bär.

Wir von Trails sind der Meinung, dass die Begegnung mit wilden Bären in jedem Fall einen Platz auf unserer Bucket List verdient hat!

Bärenbegegnung – ein einmaliges Erlebnis!

Begegnungen mit Bären sind immer auch Begegnungen mit uns selbst. Wenn zwischen einem selbst und dem fischenden Grizzly nur mehr ein schmaler, trennender Fluss ist, wird uns bewusst, wie klein und wehrlos wir eigentlich sind. Solche Momente können erhaben sein und die Welt ein wenig zu Recht rücken, wenn wir bereit dazu sind, uns auf derlei Reisen zu uns selbst und zur Natur einzulassen. Wir steigen herab vom hohen Ross des Mensch-Seins und werden demütiger gegenüber den Wundern der Natur.

Ich weiß noch, wie ich meinem ersten Bären gegenüber stand. Es war an einem Spätsommertag im Jahr 2009 am Rande des Tweedsmuir Nationalparks in British Columbia. Unweit des Highway 20 gibt es kurz vor Bella Coola eine Stelle, die als Fisheries Pools bezeichnet wird. Die Becken im Bella Coola River werden jedoch nicht nur von menschlichen Fischern frequentiert. Als ich mein Auto an dieser Stelle abstellte war kein Mensch vor Ort – zu dieser Jahreszeit eine Seltenheit, zumal es dort einen Campingplatz gibt und der Platz für Bärenbeobachtungen bekannt ist. Ich machte mich zu Fuß auf den Weg und ging ein Stück Flussaufwärts. Ich bog um eine Biegung und da stand er. Ich weiß nicht, ob es tatsächlich ein großer Grizzly war, aber in meiner Erinnerung war er wahrhaft riesig. Zunächst war ich erschrocken und beinahe Starr vor Schreck. Hatte er mich bemerkt? Sicherlich hatte er. Aber er ließ sich von mir in seiner Tätigkeit nicht im geringsten stören. Die Lachse hatten es ihm angetan, die zu dieser Zeit den Fluss hinaufziehen um zu leichen und schließlich zu sterben. Mir bot sich ein dekadentes Schauspiel! Der Bär musste sich nicht einmal bemühen – die Fische sprangen ihm förmlich in die Pranken. Das große, längst vollgefressene Tier hatte kaum mehr Interesse an den Fischen selbst. Er riss deren Körper einfach nur mit seinen Krallen auf um den leckeren Rogen zu fressen. Ich weiß nicht, wie lange ich zugleich schaudernd und fasziniert dort am Ufer stand. Es muss wohl annähernd eine halbe Stunde gewesen sein. Meine Kamera hatte ich dabei völlig vergessen. Als der Bär schlussendlich flussaufwärts abwanderte und ich wieder aus meiner Erstarrung erwachte, wurde mir klar, dass ich von meiner ersten Bärenbegegnung kein Foto hatte. Heute bin ich manchmal froh darüber. Von allen meinen späteren Begegnungen gibt es Bilder. Aber dieser Moment an den Fisheries Pools am Bella Coola River ist nur in meinem Kopf verewigt.

Sie wollen mit uns auf Bärensuche gehen?